Eigenbedarfskündigung zwecks Nutzung als Ferienwohnung zulässig!

Sachverhalt: Der Vermieter einer 5-Zimmer-Wohnung in bevorzugter Lage in Wiesbaden verlangt vom Mieter nach einer Kündigung die Räumung.

Das Haus, in dem sich die Wohnung befindet, ist seit Langem im Familienbesitz und im Wege der Erbfolge auf die drei Kinder des Vermieters übergegangen. Dem Vermieter steht ein Nießbrauchsrecht zu.

Der Vermieter lebt in Finnland, ebenso seine drei Kinder, die ihrerseits insgesamt sechs Kinder haben. Zwei der Wohnungen in dem Haus nutzen der Vermieter und seine Kinder für gelegentliche Aufenthalte in Wiesbaden. Zweimal jährlich finden dort für jeweils ein bis zwei Wochen Familientreffen statt. Insgesamt hat die Familie eine starke Bindung zu Wiesbaden.

Im August 2014 erklärte der Vermieter die Kündigung des Mietverhältnisses wegen Eigenbedarfs. Er benötige eine weitere Wohnung in dem Haus für die Familien seiner Kinder, um deren Aufenthalte in Wiesbaden sicherzustellen. Die bisher hierzu von seinen Kindern und deren Familien genutzte Dachgeschosswohnung sei für sechs Erwachsene und vier Kinder zu klein. Zudem würden nach der Familienplanung für die nächsten Jahre weitere vier (Enkel-)Kinder erwartet.

Wegen der mehrere Generationen übergreifenden Beziehung der Familie zu Wiesbaden und der über Generationen wiederkehrenden Aufenthalte der Familie in Wiesbaden liege ein zulässiger Eigenbedarf vor. Dieser sei nach der individuellen Lebensgestaltung des Vermieters und seiner Familie auch nicht überhöht.

Entscheidung: Der geltend gemachte Eigenbedarf ist begründet. Die Kündigung ist wirksam.

Die Kinder und Enkel des Vermieters sind Familienangehörige im Sinne von § 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB. Der Vermieter kann daher die Eigenbedarfskündigung auf die beabsichtigte Nutzung der Wohnung durch diese Personen stützen.

Die vom Vermieter beabsichtigte Nutzung der Wohnung als Zweit- und Ferienwohnung stellt einen zulässigen Eigenbedarf dar. Ein Benötigen der Räume als Wohnung setzt nicht voraus, dass der Vermieter oder eine sonstige Bedarfsperson in der Wohnung den Lebensmittelpunkt begründen will. Es kommt vielmehr darauf an, ob der Eigennutzungswunsch von vernünftigen, nachvollziehbaren Gründen getragen wird und nicht rechtsmissbräuchlich ist. Dies ist hier der Fall.

Angesichts der besonderen Verbundenheit des Vermieters und seiner Familie mit Wiesbaden und mit dem dortigen, schon seit langer Zeit im Eigentum der Familie stehenden Anwesen sowie angesichts der Größe der Familie und deren wirtschaftlicher Verhältnisse ist der Eigennutzungswunsch von vernünftigen und nachvollziehbaren Gründen getragen und nicht missbräuchlich. Insbesondere ist der geltend gemachte Wohnbedarf nicht weit überhöht.

(BGH, Beschluss v. 21.8.2018, VIII ZR 186/17)

Unser Praxishinweis: Die Entscheidung des Eigentümers über die Art der Nutzung seines Eigentums ist von den Gerichten zu respektieren; eigene Zweckmäßigkeitsüberlegungen des Gerichts müssen unterbleiben. Erforderlich ist eine Abwägung der jeweiligen Interessen und eine Prüfung von Härtegründen im Einzelfall. Der Vermieter sollte neben dem Eigenbedarf im Rechtsstreit seine besonderen Interessen gerade an dieser Mietwohnung darlegen und im Streitfall beweisen. Der Mieter muss im Rahmen des sog. Härtewiderspruchs seine persönliche Betroffenheit ausführlich darstellen und unter Beweis stellen. Der Vermieter hat den Mieter auf die Möglichkeit des Härtewiderspruchs hinzuweisen; der Mieter darf es auf keinen Fall versäumen, fristgerecht den Härteeinwand zu erheben.

Dem Vermieter ist zu empfehlen, sich rechtzeitig fachanwaltlichen Rat einzuholen, am besten vor der Eigenbedarfskündigung.

Ihr erster Ansprechpartner im Miet- und Immobilienrecht:

Rechtsanwalt Norbert Monschau, Fachanwalt für Mietrecht u. Wohnungseigentumsrecht, Fachautor

Rechtsanwalt Norbert Monschau
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Mieter nicht selbst betroffen – Mietminderung möglich, wenn Gastherme nicht ordnungsgemäß funktioniert?

Der Mieter einer Wohnung beschwerte sich, dass die Räume wegen einer defekten Gastherme nicht richtig warm wurden, und minderte die Miete. Die Besonderheit: Der Mieter wohnte gar nicht selbst in der Wohnung, sondern hatte sie einem Familienangehörigen überlassen, der auch die Miete zahlte. Der Vermieter stellte sich auf den Standpunkt, dass ein Minderungsrecht schon deshalb nicht bestehe, weil der Mieter die Wohnung gar nicht nutze und demnach nicht in seinem Mietgebrauch beeinträchtigt sei. Der Vermieter zog vor Gericht und verlangte die volle Miete. Er bekam vor dem Amts- und Landgericht Recht, nicht aber vor dem Bundesgerichtshof (BGH)!

Für die Karlsruher Richter spielt es keine Rolle, ob der Mieter tatsächlich in der Wohnung lebt. Solange das Mietverhältnis ungekündigt fortbesteht, trifft den Vermieter die Erhaltungspflicht gem. § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB. Da die Wohnung mit Heizung vermietet wurde, schuldet der Vermieter die Versorgung mit Wärme, mithin die Überlassung einer intakten Heizanlage Dabei ist es unerheblich, ob der Mieter die Sache tatsächlich nutzt oder sie Dritten berechtigt oder unberechtigt überlassen hat. Es ist nicht erforderlich, dass der Mieter durch einen Mangel der Mietsache subjektiv beeinträchtigt wird (BGH, Urteil v. 22.8.2018, VIIIZR 99/17).

Praxishinweis: Wenn Sie für die Beheizung der Wohnung zu sorgen haben, empfiehlt es sich, während der Heizperiode (1.10. bis zum 30.4.) folgende Raumtemperaturen zu gewährleisten:
Tagsüber (6.00 Uhr bis 0.00 Uhr) in Wohn- und Schlafräumen und in der Küche: 20 C, in Fluren 15 C, in Bädern 22 C; Nachts (0.00 Uhr bis 06.00 Uhr) mindestens 18 C.

Bei Fragen rund um die Immobilie unterstützt Sie:

Rechtsanwalt Norbert Monschau
Fachanwalt für Mietrecht u. Wohnungseigentumsrecht

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BGH: Keine Mietminderung bei nur drohender Schimmelpilzbildung!

Wärmebrücken in den Außenwänden sind nicht als Sachmangel einer Mietwohnung anzusehen, wenn dieser Zustand mit den zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geltenden Bauvorschriften und technischen Normen in Einklang steht. Dies hat der Bundesgerichtshof mit zwei Urteilen vom 05.12.2018 entschieden.

Sachverhalt und Prozessverlauf:

Die Kläger in beiden Verfahren sind jeweils Mieter von Wohnungen der Beklagten, die in den Jahren 1968 und 1971 unter Beachtung der damals geltenden Bauvorschriften und technischen Normen errichtet wurden.

Die Kläger machen unter Berufung auf Mängel der Wohnungen jeweils Gewährleistungsansprüche geltend und begehren dabei unter anderem wegen der “Gefahr von Schimmelpilzbildung” in den gemieteten Räumen die Feststellung einer näher bezifferten Minderung der von ihnen geschuldeten Monatsmiete sowie die Zahlung eines Kostenvorschusses für die Mängelbeseitigung.

In beiden Verfahren hat das Berufungsgericht eine Minderung der jeweiligen Bruttomiete festgestellt und im Verfahren VIII ZR 271/17 die Beklagte überdies zur Zahlung eines Kostenvorschusses in Höhe von 12.000 Euro zur Anbringung einer Innendämmung verurteilt. Dies hat es jeweils (unter anderem) maßgeblich auf die Erwägung gestützt, dass in den Wohnungen in den Wintermonaten aufgrund von Wärmebrücken in den Außenwänden eine “Gefahr der Schimmelpilzbildung” bestehe. Zwar hätten die Wohnungen zur Zeit ihrer Errichtung den geltenden Bauvorschriften und DIN-Vorgaben sowie den damaligen Regeln der Baukunst entsprochen. Nach der Verkehrsanschauung dürfe ein Mieter allerdings auch ohne besondere vertragliche Vereinbarung stets einen “Mindeststandard zeitgemäßen Wohnens” erwarten, der heutigen Maßstäben gerecht werde. Auf Grundlage der heute gültigen DIN-Vorschriften ergebe sich angesichts der Wärmebrücken in beiden Wohnungen jedoch ein konkretes Risiko der Schimmelpilzbildung, welches die Mieter allein mit “alltagsüblichem Lüftungs- und Heizverhalten” nicht verhindern könnten. Denn von einem Mieter könne nicht verlangt werden, dass er ein Schlafzimmer auf mehr als 16 Grad und die übrigen Zimmer auf mehr als 20 Grad beheize oder darauf verzichte, seine Möbel ohne Abstand an den Außenwänden aufzustellen. Auch ein sogenanntes Querlüften (“Durchzug”) könne dem Mieter nicht abverlangt werden; vielmehr sei lediglich ein zweimaliges Stoßlüften von bis zu zehn Minuten pro Tag zumutbar. Bei alledem komme es auch nicht darauf an, wieviel Feuchtigkeit durch das konkrete Nutzungsverhalten der jeweiligen Mieter entstehe, solange es sich im Rahmen des vertragsgemäßen Gebrauchs (Aufenthalt, Waschen, Kochen, Duschen etc.) bewege. Sei unter den genannten Bedingungen nicht sichergestellt, dass es zu keiner Schimmelpilzbildung komme, liege bereits hierin ein bauseits bedingter und vom Vermieter zu vertretender Mangel, so dass es nicht darauf ankomme, ob Schimmel auch tatsächlich aufgetreten sei.

Mit ihren vom Landgericht zugelassenen Revisionen verfolgte die Beklagte in beiden Verfahren ihr Klageabweisungsbegehren weiter.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs:

Der unter anderem für das Wohnraummietrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass Wärmebrücken in den Außenwänden nicht als Sachmangel einer Mietwohnung anzusehen sind, wenn dieser Zustand mit den zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geltenden Bauvorschriften und technischen Normen in Einklang steht.

Ein Mangel, der die Tauglichkeit der Mietsache zum vertragsgemäßen Gebrauch aufhebt oder mindert und deshalb dem Mieter (unter anderem) ein Recht zur Mietminderung (§ 536 Abs. 1 BGB) sowie einen Anspruch auf Mangelbeseitigung (§ 535 Abs. 1 Satz 2 BGB) gewährt, setzt eine für den Mieter nachteilige Abweichung des tatsächlichen Zustandes der Mietsache vom vertraglich vorausgesetzten Zustand voraus. Ohne besondere Vereinbarung der Mietvertragsparteien kann der Mieter dabei nach der Verkehrsauffassung erwarten, dass die von ihm angemieteten Räume einen Wohnstandard aufweisen, der bei vergleichbaren Wohnungen üblich ist. Gibt es zu bestimmten Anforderungen technische Normen, ist jedenfalls deren Einhaltung geschuldet. Dabei ist nach gefestigter Senatsrechtsprechung grundsätzlich der bei Errichtung des Gebäudes geltende Maßstab anzulegen. Diesem Maßstab entsprechen die Wohnungen der Kläger jedoch, so dass ein Sachmangel nicht vorliegt. Denn in den Jahren 1968 bzw. 1971 bestand noch keine Verpflichtung, Gebäude mit einer Wärmedämmung auszustatten und war demgemäß das Vorhandensein von Wärmebrücken allgemein üblicher Bauzustand.

Die gegenteilige Rechtsauffassung des Berufungsgerichts, das einen Mangel der Mietsache aus vermeintlichen Höchstwerten zumutbarer Lüftungsintervalle und von ihm aufgestellter “Grundsätze zeitgemäßen Wohnens” hergeleitet hat, hat der Senat als mit geltendem Recht nicht vereinbar angesehen. Sie lässt sich auch nicht unter Rückgriff auf eine Senatsentscheidung begründen, die in einem speziellem Fall zu den Anforderungen an die Elektroinstallation einer Wohnung ergangen ist (vgl. Senatsurteil vom 26. Juli 2004 – VIII ZR 281/03) und die darauf abstellt, dass nach der Verkehrsanschauung auch in einer Altbauwohnung ein Mindeststandard der Elektroinstallation erwartet werden kann, die den gleichzeitigen Betrieb von zwei Elektrogeräten ermöglicht. Auf die Beschaffenheit der Wohnung bezüglich der Wärmedämmung ist diese Entscheidung nicht übertragbar.

Die Berufung des Landgerichts auf Erfordernisse “zeitgemäßen Wohnens” rechtfertigt es insbesondere nicht, die geschuldete Beschaffenheit einer Mietwohnung hinsichtlich der Wärmedämmung nicht nach den oben genannten Maßstäben, sondern – unter einseitiger Berücksichtigung von Mieterinteressen – allein danach zu bestimmen, was der Mieter unter Zugrundelegung heutiger Bauvorschriften erwarten dürfe und ihm an Lüftungs- und Heizverhalten nach einem abstrakt-generellen Maßstab zuzumuten sei. Letztlich läuft die Argumentation des Berufungsgerichts darauf hinaus, einen anderen als den im geltendem Recht vorgesehenen Mangelbegriff zu schaffen und auf diesem Wege auch für eine nicht sanierte oder eine nicht grundlegend modernisierte Altbauwohnung und unabhängig von entsprechenden konkreten Vereinbarungen der Mietvertragsparteien einen Neubaustandard zugrunde zu legen. Dies ist ersichtlich rechtsfehlerhaft.

Auch trifft die Annahme des Berufungsgerichts nicht zu, das den Klägern zur Vermeidung von Schimmelpilzbildung abzuverlangende Lüftungsverhalten sei für einen Mieter unzumutbar. Das einem Mieter zuzumutende Wohnverhalten, insbesondere bezüglich der Lüftung der Wohnräume, ist jeweils unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls zu bestimmen. Vorliegend ist der gerichtliche Sachverständige zu dem Ergebnis gekommen, dass ein täglich zweimaliges Stoßlüften von rund 15 Minuten beziehungsweise ein täglich dreimaliges Stoßlüften von rund 10 Minuten ausreiche, um eine Schimmelpilzbildung an den Außenwänden zu vermeiden und sich im Falle von “Querlüften” (gleichzeitiges Öffnen mehrerer Fenster) die erforderliche Lüftungszeit auf ein Drittel der angegebenen Zeiten reduziere. Dafür, dass ein solches Lüftungsverhalten generell unzumutbar sei, sieht der Senat keine Anhaltspunkte.

Der Senat hat die Entscheidungen des Berufungsgerichts aufgehoben, soweit das Berufungsgericht wegen der in den Außenwänden vorhandenen Wärmebrücken und der dadurch verursachten Gefahr einer Schimmelpilzbildung einen Mangel der Wohnungen bejaht und den darauf gestützten Begehren der Kläger auf Feststellung einer Mietminderung beziehungsweise auf Zahlung eines Kostenvorschusses für eine Innendämmung stattgegeben hat; diese Ansprüche stehen den Klägern nach den heutigen Entscheidungen des Bundesgerichtshofs nicht zu.

In dem Verfahren VIII ZR 271/17, in dem das Berufungsgericht auch Durchfeuchtungen des Mauerwerks infolge schadhaft gewordener Bauteile festgestellt hatte, ist die Sache wegen der Höhe der hierfür anzusetzenden Minderung an das Berufungsgericht zurückverwiesen worden.

BGH, Urteile vom 05.12.2018 – VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18
(Quelle: BGH)

Unser Praxishinweis:

Die Argumente des BGH sind einleuchtend und die Entscheidungen begrüßenswert. Denn jeder Mieter, der eine Altbauwohnung mietet, weiß oder muss wissen, dass er keinen modernen technischer Zustand erwarten kann. Wäre stets und laufend ein moderner DIN-Zustand geschuldet, müsste jeder Vermieter von Altbauwohnungen in erheblichem Umfang laufend investieren. Das kann nicht richtig sein.

Zu Recht weist der BGH auch daraufhin, dass man nicht generell sagen kann, welche Beheizung und Belüftung dem Mieter zumutbar ist. Diese Frage muss im Einzelfall geklärt werden und ist abhängig insbesondere vom Alter und der Ausstattung des jeweiligen Gebäudes sowie dem individuellen Nutzungsverhalten des Mieters. Die Grundsatzdiskussionen um “Stoßlüften”, “Querlüften”, “Kreuzlüften” oder z. B. die Ungeeignetheit des “Fenster-Gekippt-Stellens” dürften abebben.

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Vereinbarung eines lebenslangen Wohnrechts des Mieters im Kaufvertrag

Im Kaufvertrag über den Erwerb einer Immobilie kann zugunsten des Mieters ein lebenslanges Wohnrecht unter Ausschluss der ordentlichen Kündigung vereinbart werden. Hierbei kommt es nicht darauf an, ob es sich um eine Allgemeine Geschäftsbedingung oder um eine Individualabrede handelt (Bundesgerichtshof, Urteil vom 14.11.2018 – VIII ZR 109/18).

Der Fall: Die Beklagten mieteten im Jahr 1981 von einer der Rechtsvorgängerinnen der Kläger die Erdgeschosswohnung eines Siedlungshauses mit zwei Wohnungen. Der Beklagte zu 2 hat als ehemaliger Bergmann einen sogenannten Bergmannsversorgungsschein. Die Kläger erwarben das Siedlungshaus, in dem die Klägerin zu 2 inzwischen die Wohnung im ersten Stock bewohnt, im Jahr 2012 von der Stadt Bochum als Voreigentümerin. In dem notariellen Kaufvertrag vom 04.07.2012 ist geregelt, dass die Mieter ein lebenslanges Wohnrecht haben. Der Käufer übernimmt das bestehende Mietverhältnis. Er darf insbesondere keine Kündigung wegen Eigenbedarfs oder wegen der Behinderung einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung aussprechen. Möglich ist lediglich eine Kündigung wegen der erheblichen Verletzung der dem Mieter obliegenden vertraglichen Verpflichtungen. Mit Schreiben vom 25.02.2015 kündigten die Kläger das mit den Beklagten bestehende Mietverhältnis nach § 573a Abs. 1 S. 1 BGB. Das Amtsgericht Bochum hat die auf Räumung und Herausgabe der Wohnung sowie auf Zahlung rückständiger Miete gerichtete Klage abgewiesen. Das Landgericht hat die gegen die Abweisung der Räumungs- und Herausgabeklage gerichtete Berufung zurückgewiesen. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgen die Kläger ihr Räumungs- und Herausgabebegehren vor dem Bundesgerichtshof (BGH) weiter.

Die Entscheidung des BGH: Den Klägern stehe gegen die Beklagten ein Anspruch auf Räumung und Herausgabe der von ihnen gemieteten Erdgeschosswohnung (§ 546 Abs. 1, § 985 BGB) nicht zu. Die Kündigung der Kläger sei unwirksam, weil ihr das im notariellen Kaufvertrag zwischen der Stadt Bochum und den Klägern vereinbarte lebenslange Wohnrecht der Beklagten entgegenstehe. Das Berufungsgericht habe darin zu Recht einen echten Vertrag zugunsten Dritter (§ 328 BGB) gesehen, der den Beklagten eigene Rechte gegenüber den Klägern einräumt und eine Kündigung nach § 573 Abs. 2 Nr. 2 und 3 BGB sowie nach § 573a BGB ausschließt. Dies gilt, wie das Berufungsgericht ebenfalls zutreffend entschieden habe, unabhängig davon, ob die im Kaufvertrag enthaltenen Bestimmungen zum lebenslangen Wohnrecht der Beklagten als Individualvereinbarung oder als Allgemeine Geschäftsbedingungen anzusehen sind. Schon der Wortlaut der Regelung, in der von einem bestehenden lebenslangen Wohnrecht der Mieter und einer Übernahme des Mietverhältnisses durch die Kläger die Rede ist, deute darauf hin, dass den Mietern auf diese Weise eine gesicherte Rechtsposition auch gegenüber den Klägern als Käufern eingeräumt werden sollte. Sofern es sich bei der streitigen Regelung des Kaufvertrages um Allgemeine Geschäftsbedingungen handeln sollte, wären diese in der vorgenannten Auslegung weder als überraschende Klauseln (§ 305c Abs. 1 BGB) nicht Bestandteil des Kaufvertrags geworden noch wegen unangemessener Benachteiligung (§ 307 Abs. 1 S. 1 und 2 BGB) unwirksam.

(Quelle: Wolter Kluwer)

Unser Praxishinweis: Bei dem Erwerb einer Immobilie kann im Kaufvertrag zugunsten eines Mieters vereinbart werden, dass eine ordentliche Kündigung lebenslang ausgeschlossen ist. Bei einzelnen Regelungen kommt es darauf an, ob sie einer Wirksamkeitskontrolle nach den §§ 305 ff. BGB Stand halten. Nicht nur deshalb sollte man einen Immobilienkaufvertrag sorgfältig hinsichtlich der Rechte eventueller Mieter oder sonstiger Dritter von einem immobilienrechtlich versierten Anwalt/einer Anwältin prüfen lassen.

Ihr erster Ansprechpartner im Immobilienrecht:
Rechtsanwalt Norbert Monschau
Fachanwalt für Familienrecht und Fachanwalt für Mietrecht u. Wohnungseigentumsrecht
Testamentsvollstrecker im Erbrecht

Büros in Köln, Erftstadt u. Neunkirchen-Seelscheid

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Unterhaltsrecht: Neue Düsseldorfer Tabelle ab 01.01.2019!

Die Düsseldorfer Tabelle wird zum 01.01.2019 geändert.

So werden die Bedarfssätze für minderjährige Kinder der ersten Einkommensgruppe der Tabelle an die neuen Vorgaben der Mindestunterhaltsverordnung angepasst.
Ab dem 01.01.2019 beträgt der monatliche Mindestunterhalt für Kinder der ersten Altersstufe (bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres) demzufolge 354 € statt bisher 348 €, für Kinder der zweiten Altersstufe (bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres) 406 € statt bisher 399 € und für Kinder der dritten Altersstufe (vom 13. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit) 476 € statt bisher 467 €.

Auch in der neuen Düsseldorfer Tabelle werden – wie schon zuvor – die Bedarfssätze der 2. bis 5. Einkommensgruppe wieder um jeweils 5 % und die der 6. bis 10. Einkommensgruppe um je 8 % des Mindestunterhalts erhöht. Die Bedarfssätze volljähriger Kinder bleiben hingegen unverändert.

Auf den Bedarf eines Kindes ist das Kindergeld anzurechnen. Ab dem 01.07.2019 soll dann das Kindergeld für ein erstes und zweites Kind von derzeit 194 € auf 204 €, für ein drittes Kind von derzeit 200 € auf 210 € und für das vierte und jedes weitere Kind von derzeit 225 € auf 235 € angehoben werden. Dieses ist bei minderjährigen Kindern in der Regel zur Hälfte und bei volljährigen Kindern in vollem Umfang auf den Barunterhaltsbedarf anzurechnen. Die sich nach Verrechnung des Kindergeldes ermittelten Beträge ergeben sich aus dem im Anhang der Tabelle beigefügten sog. Zahlbetragstabellen.

Im Übrigen ist die Tabelle gegenüber 2018 unverändert.

Die Düsseldorfer Tabelle 2019 finden Sie hier: Düsseldorfer Tabelle 2019

Sprechen Sie uns gerne an, wenn es um Rechtsfragen zum Unterhalt und Vermögen geht. Wir helfen Ihnen, berechtigte Forderungen durchzusetzen und unberechtigte abzuwehren.

Norbert Monschau, Rechtsanwalt
Fachanwalt für Familienrecht
Fachanwalt für Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht
Testamentsvollstrecker im Erbrecht

 

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